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Polizei Musum Hamburg

Der Tag bei der Polizei

Besuch des Polizeimuseums Hamburg, Carl-Cohn-Str. 39, am 20. Juni 2017

Ein kleiner Fuchsschwanz, eher ein Fuchsschwänzle als eine richtige Säge, liegt unschuldig in einer Vitrine. Allenfalls würde man eine Leiste aus Fichtenholz damit absägen; bei Eichenholz dürfte das Werkzeug schon streiken. Nur: Damit hatte Fritz Honka (1935-1998) fünf Frauen zerstückelt, damit er die Leichen besser beseitigen konnte. 1975 wurden die Tötungsdelikte entdeckt, weil es in der Zaißstr. 74, wo Honka wohnte, brannte. Vorher hatte niemand die Frauen vermisst, die aus dem niedrigsten sozialen Milieu St. Paulis stammten.
Was hat der „Verein der Badener in Hamburg und Umgebung e.V.“ mit einem Serienmörder zu tun?
Nun, 1960 war unser Mitglied Adi Wippermann in der Carl-Cohn-Straße als Polzeischüler eingerückt. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung tat er Dienst im Karolinenviertel, in Planten und Blomen und zum Schluss auf der Wache 36 in Langenhorn. Dort war er u.a. auch für den Schutz Helmut Schmidts zuständig. 2000 ging Adi als Hauptkommissar in den Ruhestand. Auf seine Anregung hin kam der Besuch des Polizeimuseums zustande. Und eine zahlreiche Schar fröhlicher Mitglieder harrte gespannt auf das, was kommen würde.
Ein kräftiges Dankeschön also an Adolf Wippermann, der uns diesen Besuch ermöglicht hatte. Der Einlass ins Museum gestaltete sich übrigens weniger aufwändig als angekündigt. Veronika Fricke fungierte als Gruppenleiterin, so dass niemand seinen Ausweis zeigen musste. Andererseits über-nahm sie aber auch die Verantwortung, dass niemand verloren ging, störte oder sonst wie unangenehm auffiel. Wir enttäuschten sie nicht!
Nachdem wir in zwei angenehm große Gruppen eingeteilt waren, konnte es nun losgehen.
Unsere Führer waren erfahrene Polizisten a.D., denen noch die Leidenschaft anzumerken war, mit der sie ihren Beruf ausgeübt hatten. Kompetent, außerordentlich sachkundig, humorvoll und packend informierten sie über die Exponate und erzählten `Döntjes´, so dass alle Besucher gefesselt waren.
Besonders spektakulär waren die im Dachgeschoss präsentierten Kriminalfälle aus Hamburg, die allen noch geläufig sind. Hier stehen Mörder, Terroristen, Bankräuber und Fälscher im Mittelpunkt, deren Taten überregional Aufmerksamkeit erlangt haben. „Tatwaffen, Werkzeuge, originale Ton- und Filmaufnahmen zeigen, wie Tatverdächtige vorgingen und dokumentieren, wie Kriminalbeamte
ermittelten. Hier tauchen Besucher in spannende, gelebte Kriminalgeschichte ein: Die Säge des Frauenmörders Honka, die gefälschten Hitlertagebücher, die Streusandkiste des Kaufhauserpressers `Dagobert´, die Waffen des `St. Pauli-Killers´ Pinzner – hier ist Spannung garantiert.“
Aus Sicht unseres Vereins sind zu den gefälschten Hitlertagebüchern einige Bemerkungen angezeigt: Hatte der Fälscher Konrad Kujau doch Beziehungen zu Baden-Württemberg, genauer nicht zu Baden, sondern zu Württemberg. Kujau hatte in den fünfziger Jahren in Stuttgart an der Kunstakademie herumstudiert und lebte in Bietigheim-Bissingen, 12km westlich von Ludwigsburg. Nach kurzer Haft war er schon 1988 freigekommen und ein geachteter Bürger. Das Gericht in Hamburg hatte die Nazigeilheit des Reporters Gerd Heidemann und die ökonomischen Interessen der Illustrierten „Stern“ strafmildernd berücksichtigt. Kujau kandidierte 1996 als Oberbürgermeister in Stuttgart und erhielt 901 Stimmen. Beerdigt ist er in Löbau/Sachsen – wenn die Leiche nicht gefälscht ist.
Wir alle schauen im Fernsehen Krimis an, zumal man den Eindruck gewinnen kann, es würden nur noch Krimis gesendet. Es gibt auch Untersuchungen, wieviel zig Leichen pro Woche im Fernsehen anfallen. Ein Krimi dauert in der Regel 90 min; die Aufklärung muss als zügig über den Schirm gehen. Das erledigen meist zwei Kommissaren, die mit den Verdächtigen sprechen, ahnungsvoll gucken, tiefgründig die Stirne runzeln und gelegentlich auch mal schießen. Und dabei teilweise auch Unfug reden: Ein Mord ist immer heimtückisch, ein Verdächtiger wird ´vorläufig festgenommen` und nicht ´verhaftet`, es sei denn der Kommissar hat einen Haftbefehl, der von einem Richter ausgestellt sein muss (die Polizei gehört zur Exekutiven, der Richter zur Judikativen).
Zuerst aber muss ein Tatverdächtiger dingfest gemacht worden sein, muss es Beweise geben. Wie das geht, wurde im Obergeschoss deutlich, in der Abteilung für Kriminaltechnik. Da geht es um DNA-Analytik, Daktyloskopie, Forensische Informations- und Kommunikationstechnik, Fototechnik, Physik, Biologie, Chemie, und klassische Kriminaltechnik wie Spurensicherung und Schmauchbilder. Der Eindruck drängte sich auf, dass Polizeiarbeit im Zusammenhang mit Verbrechen wesentlich wissenschaftlich fundierte Fein- und Kleinarbeit ist, die vor Ort, im Labor und am Schreibtisch erledigt werden muss und nicht in dem Stil erfolgt, in dem Horst Schimanksi z.B. in Duisburg ein Bordell hochzunehmen pflegte.
Sehr positiv zu bewerten ist übrigens auch die pädagogische Konzeption des Museums: Es ist handlungsorientiert angelegt. Der Besucher kann selber aktiv werden, z.B. Spuren sichern, ein Fahndungsbild erstellen, sich kundig machen, dass Kokain braun ist und Heroin weiß. Oder auch wie Margit Hoffmann und Dirk Graßmann im Cockpit eines Polizeihubschraubers BO 105 „fliegen“, um im Wildpark Schwarze Berge eine vermisste Person zu suchen. Mit Erfolg natürlich, was kein Wunder war bei der Besatzung!
Die Zeit begann knapp zu werden. Das Museum musste um 16.00 Uhr schließen, wegen der Vorbereitungen für den G20-Gipfel.
So konnten wir die Fahrt im Streifenwagen aus der Perspektive des Fahrers nur noch kurz erleben.(es ging zu einer Messerstecherei in der Speicherstadt). Allen wurde klar, dass das Stress pur ist und dass man unbedingt dem Streifenwagen Platz machen muss.
Im Museum gibt es übrigens auch einen Keller. In ihm werden Exponate gezeigt, die dem Laien-publikum auch im Bild nicht zuzumuten sind, wie z.B. zerstückelte Leichen. Nicht vertreten ist auch die Rechtsmedizin, über deren überragende Bedeutung und Leistung wir uns regelmäßig bei Prof. Dr. Börne im Tatort aus Münster informieren können.
So blieb es noch im Erdgeschoss bei einem Streifzug durch 200 Jahre Hamburger Polizeigeschichte: Es ist einfach mal wichtig, sich über die Entwicklung der Handschellen und den Einsatz der Knebelkette informieren zu können, über die verschiedenen Typen der Polizeipistolen – auch wenn die Mitglieder unseres Vereins damit weniger zu tun haben bzw. hatten (Ausnahme: Adi Wippermann). Wer beim Museumsbesuch dabei war, erinnert sich, was noch alles gezeigt und worüber informiert wird: Z.B. Kopfbedeckungen (vom Tschako zur Schillmütze – blau, mit vielen Ecken), ein armseliges Schlauchboot von 1962 (Sturmflut!), das Polizeibataillon 101 und seine Untaten im Russlandfeldzug, eine fast schon rührend anmutende Wache von 1960 samt Arrestzelle; eine aktuelle ´Ritterrüstung` für Polizisten (wiegt 18kg) usw. Auch wenn das Thema Wasserschutzpolizei in Deutschlands größter Hafenstadt eher stiefmütterlich behandelt wird! Ein Thema für die Zukunft wird auch die Cyber-Kriminalität sein, also Verbrechen, die im und mittels des Internets begangen werden.
Ein Besuch des Polizeimuseum kann dringend empfohlen werden, es lohnt sich wirklich! Wir waren schon mal da und danken allen herzlich, die uns diesen lehrreichen und schönen Nachmittag ermöglicht haben!!!
Max Rimmelspacher



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