Startseite
Aktueller Terminkalender
Termine 2018
Unsere Partner
Unser Verein und Vorstand
Freiburger Mundart Gruppe
Riverbus
Polizei Museum Hamburg
Unsere Zeitung (Blättle)
markus manfred jung schreibt
Grillfest
Fasnacht 2017
Im Norden zu Hause in Baden daheim
Impressum
Letzte aktuelle Änderung

Riverbus

Vorwort zur Riverbootsfahrt von Max Rimmelspacher
Allgemeine Betrachtungen über die Fortbewegung von
Mensch und Tier - zu Lande, zu Wasser und in der Luft

„Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft“ – diese grundlegende Erkenntnis stammt von Emil Zatopek, der „tschechischen Lokomotive“. Er musste das wissen, hatte er doch bei der Olympiade 1952 über 5000m, 10 000m und den Marathonlauf die Goldmedaille gewonnen. Bei näherer Betrachtung sind freilich gewisse Differenzierungen angezeigt. „An der Nordseeküste, am platt-deutschen Strand, sind die Fische im Wasser und selten an Land“, so heißt es in einem ebenso bekannten wie zoologisch fundiertem Lied aus Ostfriesland. Und das stimmt, kann man doch höchstens mal einen Aal an Land entdecken, der auf einer feuchten Koppel umherkriecht. Andererseits sind im Pazifik die fliegenden Fische zu Hause, die gerne mal aus dem Wasser schnellen, um sich die Gegend von oben zu betrachten.
Mit den Vögeln ist das auch so eine Sache: Strauße z.B. haben mit dem Schwimmen gar nichts, mit dem Fliegen wenig, dafür aber um so mehr mit dem Laufen am Hut bzw. an der Feder. Bei den Pinguinen jedoch ist das Fliegen verpönt, das Laufen eher rudimentär entwickelt, wohingegen sie vorzügliche Schwimmer und Taucher sind. Wasservögel hingegen gelten fortbewegungsmäßig als die eierlegenden Wollmilchsäue im Tierreich, sind sie doch zu Lande, zu Wasser und in der Luft gleichermaßen virtuos unterwegs, mit gewissen Einschränkungen bei der terrestrischen Mobilität. Der Schwan z.B. ist ein majestätisches Tier, das nicht nur die Alster ziert, sondern auch das Wappen des Hamburg benachbarten Kreises Stormarn. Lohengrin geht auch nur als Schwanenritter durch; als Entenritter wäre er diskreditiert. Enten erfreuen uns aber durch ihr drolliges und zutrauliches Auftreten und lassen sich gerne füttern. Gänse gelten als elegante und kluge Vögel. 387 v. Chr. beispielsweise weckten sie nächtens durch ihr Geschnatter auf dem Kapital die verschnarchten Römer auf , so dass die Gallier die Stadt nicht erstürmen konnten.
Der Mensch hingegen ist ein Mängelwesen. Flugversuche lässt er besser bleiben, spätestens dann, wenn er einmal erfahren hat, was es heißt, im Suff eine Treppe hinuntergesegelt zu sein. Mit dem Element Wasser ist es auch so eine Sache. Es tritt dem Menschen in vier Aggregatzuständen entge-gen: Flüssig, dampfförmig, gefroren und als holländische Tomate. Letzere brauchen wir nicht zu essen, der Dampf erfreut uns im Dampfbad oder beim Heublumenaufguss. Eis entzückt uns im Cocktail oder immer dann, wenn z.B. alle paar Jahre mal die Alster wieder zugefroren ist und es dort dann zugeht wie beim Hafengeburtstag auf den Landungsbrücken. Der Bodensee friert nicht so häufig zu, genau genommen im 20. Jh. nur einmal, nämlich 1963. Da konnte man dann zu Fuß oder mit allen möglichen Vehikeln z.B. von Meersburg nach Konstanz kommen. Und zurück. Flüssiges Wasser zu begehen ist schon schwieriger. Jesus habe das mal auf dem See Genezareth geschafft (Markus 6, 16-21). Würde man das übrigens vom GröPraZ Donald T. (Größter Präsident aller Zeiten) behaupten, würde dieser das nicht abstreiten, sondern sich es zutrauen und geschmeichelt fühlen.... Also muss sich der Mensch, was das Wasser angeht, des Schwimmens befleißigen. Das kann er schon eher, zumal er gerne zur Adipositas neigt und sich so eines erhöhten Auftriebs erfreut. Weite Strecken schafft er aber nicht, höchstens vielleicht mal von Calais nach Dover.
Das aber ist seit dem Brexit uninteressant geworden.
Wir sehen, was für den Fisch die Flossen, für den Vogel die Flügel, sind für den Menschen die Beine(r). Was Zatopek unter „laufen“ versteht, isch für de Badener übrigens „renne“ oder „wetze“; wenn e Badener „lauft“, dann wandert er, geht, lustwandelt, promeniert.. Un ´s pressiert nitte!
Numme langsam, numme nit hudle!
Der Mensch ist ein Mängelwesen, haben wir gehört. Physisch, müssen wir einschränken. Denn er hat einen Kopf mit vielen grauen Zellen. Bei den meisten ist das so. „Schwabe schaffe, Badner denke“, steht auf einem Aufkleber („Bäpper“), den man im badischen Devotionalienhandel erwer-ben kann. Und so hat ein Badner die Urform des Fahrrades erfunden, ein anderer Badner das erste Automobil. Die Menschen kamen auf die Idee, sich aufs Ross zu setzen, es vor einen Wagen zu spannen; sie erfanden die Eisenbahn, den Omnibus, den Einbaum, das Segelschiff, Motorschiffe, das Flugzeug... Wir können zwar immer noch zu Fuß gehen, haben aber Verkehrsmittel, die bequem sind und die Entfernungen haben schrumpfen lassen, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.


 


Nach oben

Auf der Elbe und seinen Seitenarmen

Frühjahrsausflug des „Vereins der Badener von Hamburg und Umgebung e.V.“ am 17.05.2017. Motto: Eine Seefahrt,die ist lustig, eine Busfahrt, die ist schön....
Auf Position 53º32´40.2´´N, 9º59´55.0´´E versammelten sich gegen 13.00 MESZ 36 weibliche und männliche Mitglieder des Vereins und harrten eines Dings, das da kommen sollte. Das „Ding“, das am Brooktorkai 16 einlief und festmachte, war ein Bus. Hochbordig; am Bug hing ein Anker, an der Seite war eine Tiefgangsmarkierung aufgemalt, am Heck waren backbords und steuerbords unten zwei Strahlrohre zu erkennen. Geentert wurde das Gefährt über eine Gangway, ähnlich wie bei den HADAG-Fähren. Der Bus war nämlich nicht nur ein Bus, ein Landfahrzeug, sondern auch ein Schiff. Also ein Amphibium.
Der Vorstand unseres Vereins hatte diese Fahrt mit Hamburgs erstem Amphibienbus, dem Riverbus, organisiert. Am Vortag hatten wir noch Sauwetter, aber am 17.05. strahlte die Sonne bei Kaiserwet-ter vom Himmel. Badenerinnen und Badener waren unterwegs! Wir mussten dann zügig an Bord gehen, da wir ablaufendes Wasser hatten, so dass es Probleme mit dem Tiefgang hätte geben können. Für die Container-Schifffahrt seit Jahren ein leidiges Thema..... Auch wenn man die Gäste des Riverbusses natürlich nicht mit Containern vergleichen kann.....
Der Riverbus ist ein Schiff, das auf ein LKW-Chassis von MAN montiert wurde. Auf dem Wasser macht es bis zu 7 kn Fahrt (1 Knoten = 1 Seemeile = 1852m pro Stunde) und kann bis Windstärke 5-6 auslaufen. Kosten des Gefährts: 1,2 Mio €. Seit einem Jahr ist es im Einsatz, hat seither 39000 Passagiere befördert und wird sehr gut nachgefragt. Ein zweiter Bus sei projektiert. Rechtzeitige Voranmeldung ist unbedingt erforderlich! Achung: Kinder unter fünf Jahren dürfen nicht mitfahren!
Die Besatzung bestand aus zwei Mann: Dem Fahrer Rainer, der nicht nur einen Busführerschein benötigt, sondern auch das Kapitänspatent A für Binnenschifffahrt und aus Florian, nach eigenem Bekunden der „Sabbelbüdel“.
Mit kernigem Motorengeräusch ruckelte der Bus los. Kurs: Durch die Speicherstadt nach Osten. An der Uni vorbei (Tipp von Florian: In der Mensa kann man gut und preiswert essen). Wir passierten riesige Baugruben (hier sollen Wohnungen für 16000 Menschen, Arbeitsplätze für 40000 Menschen und eine Einkaufsmall entstehen), kamen an der MS Stubnitz vorbei, unterquerten die Elbbrücken Richtung Rothenburgsort und rollten auf die Halbinsel Entenwerder.
„Sabbelbüdel“ Florian war eine sehr kompetenter humorvoller Stadtführer, der sich auch gut darauf einstellte, den Verein der Badener an Bord zu haben. Erschrocken waren wir über die Geschichte, dass in der vergangen Saison 10 Gäste über Bord gegangen seien, acht Schwaben und zwei Badener! Auch ein Hinweis auf das im Süden benachbarte Frankreich fehlte nicht: Der Riverbus hat für den Fall der Fälle keine Spucktüten an Bord, sondern „Les sacs au mal de mer“!
Manche Informationen stimmten einen auch nachdenklich: So hatte die Royal Air Force 1943 hauptsächlich Arbeiterviertel bombardiert, also Rothenburgsort und Hammerbrook dem Erdboden gleichgemacht, was man heute noch an der Nachkriegsbebauung erkennen kann. An einer Stelle waren noch einige Häuser aus der Vorkriegszeit stehen geblieben, so dass zu erahnen war, welch schöner Stadtteil Rothenburgsort einmal gewesen war.
Auf verschlungenen schmalen Wegen erreichten wir schließlich die Rampe in Entenwerder und der Bus stach in See. Rainer, nunmehr Kapitän, hatte zuvor das Hafenamt per Funk verständigt und ein langes Hornsignal abgegeben. Es war einem schon ein wenig seltsam zumute, aber der Bus war dicht, die Schiffsdiesel röhrten achtern und wir nahmen Fahrt auf. Ohne Zwischenfälle, denn anders als noch 2016 alarmierte niemand die Feuerwehr, weil offenbar etwas nicht stimmen konnte, wenn ein Bus in der Elbe herumkurvt.
Durch das zweitgrößte Sturmflutsperrwerk Deutschlands fuhren wir in die Billwerder Bucht ein, in ein stilles, fast romantisch anmutendes Gewässer, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint . Gut, auf der Nordseite arbeitet ein Heizkraftwerk, aber auf der Südseite haben Sportboote festge-macht, wie auch ausgemusterte Berufsschiffe. Ein halb abgewrackter Dampfschlepper erinnerte an bessere Zeiten, Angler sitzen auf Welse an – und ziehen sogar einen heraus. Ein ehemaliges Binnen-schiff dient als Schießstand und dahinter biegen sich die frühlingsgrünen Buchen im Wind .
Unser „Schiff“ ließ die Billwerder Bucht achteraus hinter sich und fuhr in Entenwerder sanft wieder an Land und dann über Rothenburg Richtung Brooktorkai. Vom gewachsenen Rothenburgsort haben mittlerweile die Spekulanten Besitz ergriffen und vertreiben die altansässige Bevölkerung, die die Mieten nicht mehr bezahlen kann. Gentrifizierung heißt das auf Neudeutsch und es macht einen wütend. Zwei Dinge erwähnte „Sabbelbüdel“ Florian noch: Das “PEM Theater an den Elbbrücken“, das es wert sei, besucht zu werden und dass Hannelore Glaser aus Hammerbrook stammte, besser bekannt als „Loki“.
Am Brooktorkai endete eine eindrucksvolle Fahrt, zum einen wegen der technischen Reize des Riverbusses, zum anderen wegen der vielfältigen Erkenntnisgewinne. Wir hatten eine Seite von Hamburg kennengelernt, von der wir vorher nichts gewusst und nichts geahnt hatten. Bei den üblichen Hafenrund- und Fleetfahrten kommt man da nicht hin! Fazit: Da wollen wir mal wieder hinfahren (Tipp von Florian: Am Wochenende nicht mit dem Auto kommen!).

Dem Vorstand gilt ein herzliches Dankeschön oder sagen wir „vergelt´s Gott“, dass er uns diesen schönen und lehrreichen Tag ermöglicht hat.
Max Rimmelspacher


 


Nach oben